Die Frühjahrs-Klassiker im Radsport

Der Frühling ist traditionell die große Zeit der Eintagesklassiker im Radsport. BetStars stellt die wichtigsten Rennen vor, darunter die fünf Monumente des Radsports.

Mailand - Sanremo, 23. März

Sieger 2018: Vincenzo Nibali (Italien)

Mailand-Sanremo ist mit über 290 Kilometern das längste klassische Eintagesrennen im Radsport und zählt zu den fünf Monumenten des Radsports. Der neben der Lombardei-Rundfahrt wichtigste Klassiker Italiens wurde erstmals 1907 ausgetragen, damals noch mit 33 Fahrern. Er hat den Beinamen "La Primavera" (Frühling) bekommen, mitunter auch "prima vera corsa", also das "erste richtige Radrennen" des Jahres, oder auch "La Classicissima".

Das Rennen mit Start in Mailand führt über Binasco, Pavia, Voghera, Tortona, Novi Ligure, Ovada und den Turchino-Pass - mit 588 Meter der höchste Punkt der Route - an die Mittelmeerküste und verläuft dann entlang der Italienischen Riviera. Die spektakulärsten Anstiege des größtenteils flachen Streckenprofils sind der Combo Cipressa etwa 20 Kilometer vor dem Ziel mit einer maximalen Steigung von neun Prozent sowie der Poggio di Sanremo rund sechs Kilometer vor dem Ziel mit acht Prozent.

Ein erfolgreicher Ausreißversuch ist hier dennoch nicht zu erwarten, sodass viel für eine Sprintankunft spricht, wie auch ein Blick auf die Siegerliste der letzten Jahre zeigt. 2015 siegte hier John Degenkolb und von 1997 bis 2001 gewann Erik Zabel vier der fünf Rennen. Rekordsieger ist Eddy Merckx mit sieben Erfolgen vor Costante Girardengo mit sechs.

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Flandern-Rundfahrt, 7. April

Sieger 2018: Niki Terpstra (Niederlande)

Auch die Flandern-Rundfahrt gehört zu den fünf Monumenten des Radsports. Das 1913 erstmals ausgetragene Rennen ist mit Lüttich-Bastogne-Lüttich und dem Flèche Wallonne das wichtigste in Belgien. Bis in die 1950er-Jahre fand ein Großteil des Rennens auf Kopfsteinpflaster statt. Heute ist es schwierig, überhaupt noch Streckenabschnitte mit dem spektakulären Belag zu finden.

Die Streckenführung gilt mit 17 Hügeln und fünf Abschnitten Kopfsteinpflaster als sehr anspruchsvoll. Nach 170 Kilometern kommt die "Mauer von Geraardsbergen", ein gepflasterter Anstieg von etwas mehr als einem Kilometer mit einer Steigung von 20 Prozent. Aber auch der Paterberg hat es in sich, der zwar nur 360 Meter lang ist, aber mit einer durchschnittlichen Steigung von 12,9 Prozent und einer steilen Rampe von 20,3 Prozent erstmal bezwungen werden muss.

Gleich sechs Fahrer konnten hier dreimal gewinnen: Achiel Buysse, Eric Leman, Johan Museeuw, Tom Boonen (alle Belgien), Fiorenzo Magni (Italien) und Fabian Cancellara (Schweiz). Die Belgier stellen mit 69 Siegen das mit Abstand erfolgreichste Land der Flandernrundfahrt.

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Paris - Roubaix, 14. April

Sieger 2018: Peter Sagan (Slowakei)

Das Radrennen Paris-Roubaix ist eines der berühmtesten klassischen Eintagesrennen und zählt zu den fünf Monumenten des Radsports. Prägend für das etwa 250 Kilometer lange Rennen, das 1896 erstmals veranstaltet wurde, sind die Abschnitte auf Kopfsteinpflaster (Pavé-Sektoren), die sich über 54,5 Kilometer erstrecken. Der Eintagesklassiker wird als "Die Königin der Klassiker" (La Reine des Classiques) oder auch "Hölle des Nordens" (L'Enfer du Nord) bezeichnet.

Im Jahre 1977 startete das Rennen letztmals tatsächlich in Paris, seitdem wird 80 Kilometer nördlich gestartet, vor dem Schloss in Compiègne. Das Ziel befindet sich im Vélodrome von Roubaix. Spektakulär ist die Trouée d'Arenberg, eine gerade und schmale Straße durch den Wald von Arenberg im Herzen der Hölle des Nordens, die 2.284 Meter lang ist, leicht abfällt und durch die dort erzielte hohe Geschwindigkeit eine große Sturzgefahr mit sich bringt.

Auch der Mons-en-Pévèle ist eine Herausforderung an die Fahrer. Der 2,9 Kilometer lange Pass ist durch den schlechten Zustand der Pflastersteine schwer zu fahren. Zumal schon die Zuführung dort hin mit sieben Anstiegen innerhalb von 20 Kilometern den Fahrern alles abverlangt: Pavé von Mérignies à Avelin (700 Meter), Pont-Thibault à Ennevelin (1.400 Meter), Templeuve - L'Epinette (200 Meter) und Templeuve-Moulin-de-Vertain (500 Meter), Cysoing à Bourghelles (1.300 m), Bourghelles à Wannehain (1.100 m) und Camphin-en-Pévèle (1.800 m).

Rekordsieger sind hier die beiden belgischen Radfahrer Roger De Vlaeminck und Tom Boonen mit jeweils vier Siegen. Die schnellste Ausgabe von Paris-Roubaix fand 2017 statt. Mit Rückenwind gewann Greg Van Avermaet das 257 Kilometer lange Rennen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 45.204 km/h.

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Amstel Gold Race, 21. April

Sieger 2018: Michael Valgren (Dänemark)

Das Amstel Gold Race wurde 1966 erstmals veranstaltet und war lange Zeit aufgrund seiner flachen Topographie ein Eldorado für die Sprinter. Doch in den letzten Jahren hat sich das Streckenprofil immer mehr verändert und es müssen mehr und mehr Berge bezwungen werden. Auch die engen Straßen, die vielen Kurven und die ständigen Richtungswechsel lassen den Fahrern kaum mal eine Pause zum Durchatmen. Kurz vor dem Ziel wartet der 800 Meter lange Cauberg mit einer maximalen Steigung von 11 Prozent auf die Profis.

Der Niederländer Jan Raas konnte hier mit fünf Siegen die meisten einfahren, darunter vier in Folge von 1977 bis 1980. Philippe Gilbert folgt mit vier Siegen.

Fleche Wallonne, 24. April

Sieger 2018: Julian Alaphilippe (Frankreich)

Der "Wallonischer Pfeil" feierte 1936 seine Premiere und ist einer der wichtigen Frühjahrsklassiker im Radsportkalender, befindet sich jedoch etwas im Schatten des noch prestigeträchtigeren Rennens Lüttich-Bastogne-Lüttich, welches stets vier Tage später ausgetragen wird. Beide Rennen werden zusammen als das "weekend ardennais" bezeichnet.

Das traditionelle Finish, das die Fahrer nach 195 Kilometern und elf Anstiegen erreichen, ist auf der Wall of Huy, einem steilen Anstieg mit bis zu 17 Prozent Steigung. Wegen der sieben Kapellen entlang der Route wird es auch als Chemin (Weg) des Chapelles bezeichnet. Alejandro Valverde ist hier Rekordhalter mit insgesamt fünf Siegen, vier davon in Folge von 2014 bis 2017.

Lüttich-Bastogne-Lüttich, 28. April

Sieger 2018: Bob Jungels (Niederlande)

Das Radrennen Lüttich-Bastogne-Lüttich, auch "La Doyenne" (Die Älteste) genannt, ist das älteste noch ausgetragene Eintagesrennen und wird zu den fünf Monumenten des Radsports gezählt. Seine Premiere feierte das Rennen, das durch das sehr hügelige Profil als eines der schwersten gilt, bereits im Jahre 1892.

Vor allem der zweite Teil des 256 Kilometer langen Rennens hat es in sich, auf dem sich eine Steigung an die nächste anschließt. Für Bergspezialisten bietet sich hier die größte Chance, einen der Klassiker für sich zu entscheiden. Spektakulär ist der Col de la Redoute, der sich über 2 Kilometer erstreckt mit einer durchschnittlichen Steigung von 8,9 Prozent und der steilsten Rampe mit 13 Prozent. Aber auch der Côte de la Roche aux Faucons hat es in sich mit einer Länge von 1,3 Kilometer und einer Steigung von 11 Prozent.

Eddy Merckx konnte hier am häufigsten bei der Zieldurchfahrt jubeln, denn fünf Mal siegte er hier. Ähnlich erfolgreich ist Alejandro Valverde mit vier Siegen. Belgien ist mit 59 Triumphen die erfolgreichste Nation in La Doyenne, das sind mehr Siege als alle anderen Nationen zusammen.

Lars Wellbrock
@BetStars en Radsport